Deutschland und Italien geben in der Villa Vigoni den Anstoß für einen neuen Dialog zur Zukunft Europas

In der Villa Vigoni ging das diesjährige Treccani-Vigoni Forum zu Ende.  Das Thema lautete „Eine neue Souveränität für Europa“. Die Villa Vigoni und die Stiftung Treccani Cultura haben die Veranstaltung gemeinsam ausgerichtet.

Dieses Jahr 2026 ist für die deutsch-italienischen Beziehungen symbolträchtig: Vor 75 Jahren wurden die diplomatischen Beziehungen zwischen der Bundesrepublik und Italien wieder aufgenommen. Vor 40 Jahren wurde die Villa Vigoni als das Deutsch-Italienische Zentrum für den europäischen Dialog gegründet. Aber angesichts der revolutionären Transformationen unserer Gegenwart ging es beim „Forum“ kaum um zufriedene Rückblicke, sondern um Zukunftsperspektiven der Europäischen Union in einer Zeit tiefgreifender geopolitischer, wirtschaftlicher und technologischer Veränderungen.

Im Mittelpunkt der Diskussion standen einige der zentralen Herausforderungen: die Stärkung der europäischen strategischen Autonomie, die Sicherung der wirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit, die Weiterentwicklung institutioneller Strukturen, Sicherheits- und Verteidigungspolitik sowie die Rolle von Innovation. Dreh- und Angelpunkt war dabei stets die Frage nach der Bedeutung der deutsch-italienischen Beziehungen für die Zukunft des europäischen Projekts.

Zu den Rednern gehörten Carlo Ossola, Giuliano Amato, Angelo Bolaffi, Miriam Meßling, Massimo Bray, Michele Valensise, Funda Tekin, Thomas Bagger und Giulio Tremonti. So kamen institutionell-politische, wissenschaftliche und kulturelle Betrachtungen miteinander ins Gespräch.

Funda Tekin, die Direktorin des Instituts für Europäische Politik (IEP) in Berlin, konstatierte: „Auch wenn die USA sich langsam zurückziehen: wir Europäer stehen fest an der Seite der Ukraine. Der Weg zu einer gemeinsamen europäischen Säule in der NATO bleibt jedoch ein langer.“

Botschafter Luigi Mattiolo, der Präsident der Villa Vigoni, betonte den Wert der deutsch-italienischen Zusammenarbeit als Motor der europäischen Integration: „Italien und Deutschland wissen, dass ein stärkeres und auf internationaler Ebene einflussreicheres Europa nicht auf Kosten der Nationalstaaten gebaut wird, sondern im Gegenteil durch Annäherung und gemeinsames Handeln der Staaten, das unterschiedliche Erwartungen und Interessen bündelt und auf ein gemeinsames Ziel ausrichtet: Sicherzustellen, dass Europa weiterhin ein bedeutender, einflussreicher Faktor in der Dynamik der internationalen Beziehungen bleibt, der in der Lage ist, seine Grundwerte zu verteidigen und den Dialog und die Zusammenarbeit mit anderen internationalen Akteuren zu fördern.“

Thomas Bagger, Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Italien, ging auf die Rolle der bilateralen Beziehungen für die Zukunft der Union ein und betonte: „In einer Zeit, in der für Europa das Handeln drängt, widmet sich das Treccani-Vigoni Forum dem großen Potenzial einer noch engeren Zusammenarbeit von Deutschland und Italien. Wo sie gemeinsam handeln, können beide Länder für unsere Europäische Union einen echten Unterschied machen.“

Das von der Villa Vigoni und der Stiftung Treccani Cultura veranstaltete Treccani-Vigoni Forum ist eine Komponente der Zusammenarbeit zwischen den beiden Institutionen. Diese zielt auf die Förderung eines Dialogs zwischen Deutschland und Italien zu zentralen europäischen Themen. Gemeinsam schaffen beide Institutionen Gelegenheiten für Begegnungen und Austausch zu Themen, die die demokratische Öffentlichkeit bewegen.

Die Ausgabe 2026 fand zudem im Rahmen des zweijährigen Projekts „Re-Konstruktionen 2.0“ statt, das von der Villa Vigoni und mit Förderung durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) durchgeführt wird.