Die „europäische Identität“ in einem von neuen geopolitischen Spannungen geprägten Kontext, die Rolle Italiens, Deutschlands und Frankreichs in der neuen internationalen Ordnung, Perspektiven der europäischen Integration aus politischer und rechtlicher Sicht sowie Fragen der Sicherheit und Verteidigung standen im Mittelpunkt des Treccani-Vigoni-Forums. Es trug den Titel „Die neue internationale Weltordnung. Italien, Deutschland, Europa“. Das bedeutende italienische Wissenschaftsinstitut Treccani und die Villa Vigoni haben diese Veranstaltung anlässlich des 100-jährigen Bestehens des Instituts organisiert.

Carlo Ossola, der Präsident des Istituto della Enciclopedia Italiana Treccani, und Thomas Bagger, der Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Italien, eröffneten das Forum. Luigi Mattiolo, der italienische Präsident der Villa Vigoni, betonte dessen auch symbolischen Wert anlässlich des Jubiläums des Treccani-Instituts. Er bezeichnete dieses als „eine der angesehensten kulturellen Institutionen unseres Landes; Treccani ist seit jeher Hüterin und Förderin des Wissens, der Sprache und der italienischen Kultur“.

Mattiolo hob die Bedeutung des kulturellen und politischen Dialogs zwischen Italien und Deutschland hervor und bekräftigte, dass „die Villa Vigoni ein Ort der Reflexion, des Zuhörens und des Austauschs sein möchte, weil wir glauben, dass Europa dies heute mehr denn je braucht.“ Mit Blick auf den internationalen Kontext stellte er fest, dass „wir einer neuen, sich wandelnden Weltordnung gegenüberstehen, deren Umrisse wir noch nicht vollständig kennen“; er sagte: „Italien und Deutschland können und müssen sich als Fürsprecher eines Europas verstehen, das sich nicht aufgibt, sondern seine Fähigkeiten zu Initiative und Weitblick erneuert.“

Angelo Bolaffi, Mitglied des Kuratoriums der Villa Vigoni, erinnerte an die unterschiedlichen historischen, politischen und strategischen Empfindlichkeiten Italiens, Deutschlands und Frankreichs, betonte aber zugleich die Stabilität der Beziehungen dieser Länder sowie die Notwendigkeit, ihre Zusammenarbeit angesichts der durch den Krieg in der Ukraine ausgelösten Umbrüche zu vertiefen. Er bezeichnete diesen Krieg als einen „epochalen Wendepunkt“, der das Schicksal der europäischen liberalen Demokratie nachhaltig prägen werde.

Unter den Vortragenden befanden sich Giuliano Amato, ehemaliger Ministerpräsident Italiens und Professor für Vergleichendes Verfassungsrecht, sowie Massimo Bray, Generaldirektor des Istituto della Enciclopedia Italiana Treccani. Namhafte europäische Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen haben Impulsreferate gehalten, darunter der Philosoph Rémi Brague, der Linguist Jürgen Trabant, der Politikwissenschaftler Hans Vorländer, die Juristin Lucia Serena Rossi, der Experte für europäische Integration Frank Schimmelfennig und die Soziologin Loredana Sciolla. Gesprochen haben auch wichtige Vertreter von Institutionen, Diplomatie und Wirtschaft, darunter Stefano Pontecorvo, der Vorsitzender des Verwaltungsrats von Leonardo S.p.A., Michele Valensise, der Präsident des Istituto Affari Internazionali (IAI), Silke Schmitt, die Leiterin der Hanns-Seidel-Stiftung Italien/Vatikan und Klaus Uckel, Vorsitzender der Geschäftsleitung des DLR Projektträgers.

05.11.2025

06.11.2025

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Foto | Alice Ciccarese