Vigonianae, II, 2011 – 1. Heft

Rivista semestrale italo-tedesca


Villa Vigoni hat im Jahr 2011 ihr 25-jähriges Jubiläum gefeiert. Ein Vierteljahrhundert im Dienste der deutsch-italienischen Beziehungen: eine bemerkenswerte Zeitspanne! Man muss sich noch einmal vor Augen führen, wie unwahrscheinlich die Begründung einer solchen binationalen Einrichtung war, als im Jahr 1983 alle Seiten von der hochherzigen Schenkung Ignazio Vigonis überrascht wurden, welche Hürden für die Annahme zu überwinden waren und durch welch besonderes Engagement in beiden Ländern es schließlich gelang, die einzigartige institutionelle Form zu finden. Einer der federführend Beteiligten, Luigi Vittorio Ferraris, damals italienischer Botschafter in Bonn und dann der erste italienische Präsident von Villa Vigoni, gibt einen eindrücklichen Rückblick. Die Form einer poetischen Rückschau auf 25 Jahre hat ein langjährig Villa Vigoni verbundenes Mitglied gewählt, der ehemalige Parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung Torsten Wolfgramm. Und einen Eindruck, wie zuvor der Stifter in dem Haus lebte, vermittelt die Enkelin des berühmten Pianisten Artur Schnabel, die in ihrer Jugend bei den Vigonis verkehrte. In solcher Zusammenarbeit ist ein Potential zur Geltung gekommen, das die Geschichte beider Länder begleitet. Nicht ohne Hintersinn war die Feier des 25-jährigen Jubiläums am 11. Oktober 2011 in Rom mit den beiden Ministern, deren Häuser Villa Vigoni tragen - Prof. Dr. Annette Schavan, Bundesministerin für Bildung und Forschung, und Franco Frattini, dem damaligen Außenminister der italienischen Republik -, unter das Thema »Migration, Integration, Kooperation« gestellt. Diese Leitbegriffe sind darüber hinaus nachgerade für Europa kennzeichnend. Denn Europa ist durch seine Wanderungsbewegungen geprägt und hat dabei schon früh die Fähigkeit entwickelt, sich durch Auseinandersetzung mit Fremdem und mit Fremden weiterzuentwickeln und zu integralen neuen Formen zu finden; dies war begleitet von der beständigen Herausforderung, Konkurrenz in Kooperation zu verwandeln. An keinem Ort hätte eine solche Veranstaltung im übrigen besser stattfinden können als in Rom, das nach seinen Gründungsgeschichten aus der gelungenen Integration von Einwanderern hervorgegangen ist: Tatsächlich war die Praxis der Integration über ein Jahrtausend hinweg der Schüssel für Wachstum und Erfolg. Für Deutschland und Italien verbinden sich mit dem Motto »Integration und Kooperation« besondere Wünsche. Beide Länder sind dicht verzahnt auf der Basis jahrhundertealten Austauschs und haben in vielen Grundsatzfragen lange einen Gleichklang gepflogen. Die Wirtschafts- und Finanzkrise indes, die die Eurozone derzeit durchläuft, stellt Integrations- und Kooperationsselbstverständlichkeiten auf eine harte Probe. Denn den anderen nicht nur nach den eigenen Maßstäben und Gewohnheiten zu beurteilen bleibt eine immer wieder neu zu bewältigende Herausforderung. Das beste Mittel dagegen ist die wechselseitige Kenntnis!

Vigonianae, II, 2011 – 1. Heft

  • Autor/Autorin: G. Vogt-Spira, A. Schavan, F. Frattini, C. Mongardini, E. Rossi, G. Fincke, U. Triulzi, B. Giesen, F. Lanchester, L. V. Ferraris, A. Schnabel Mottier, L. Galimberti Faussone, T. Wolfgramm
  • Herausgegeben
    von:
    G. Vogt-Spira
  • Verlag: Steiner Verlag
  • Reihe: Vigonianae
  • Nummer des Bandes: 1
  • Jahr: 2011
  • Ort: Stuttgart
  • ISBN / ISSN: 21917280