Renaissance und Renaissancismus von Jakob Burckhardt bis Thomas Mann
Als im Zeichen des Historismus die Renaissance als eigenständige Epoche entdeckt wurde, beschrieb Jacob Burckhardt ihre Kultur, die er als Wiege der Neuzeit interpretierte. Damit begründete er die moderne Renaissanceforschung und fand zugleich den Beifall eines breiten sich für die Renaissance begeisternden Publikums. So gehörte er, obgleich missverstanden, zu den Vätern des Renaissancismus, des modischen Kultes eines Zerrbilds des ruchlosen von der Gier nach Macht und Genuss besessenen Renaissancemenschen, der in der europäischen Literatur des fin de siècle, vor allem in der deutschen und der italienischen, verherrlicht wurde in der Sehnsucht nach ursprünglicher Lebenskraft ohne moralische Skrupel.

