Italien in Aneignung und Widerspruch
Die Italienreise kann zu einer Fahrt ins eigene Ich werden, ja als solche geplant sein (und gerade deshalb scheitern) - jedoch immer wird dieses Land, Aneignung gewährend, aber auch Widerspruch erweckend, zur Revision der eigenen Wahrnehmungsart und zur Überprüfung der Wahrnehmungsfähigkeit zwingen. Innen-bilder werden sich ändern; und was sich, zu Schrift und anderen Werken kondensiert, außen dann zeigt, wird oft mehr mitteilen über den Autor und seine Perzeptionsweise als über den Gegenstand seiner Kunst. Das heißt: darüber nachsinnen, was Italien bedeutete für den oder jenen, heißt, seine Person beobachten in einem besonders gut ausgestatteten Laboratorium. Heißt, ihn starken Reagenzien auszusetzen, die sichtbar machen können, was anderswo möglicherweise verborgen bliebe.
Diese »chemischen Verbindungen« zwischen Italien und seinen nördlichen Reisenden deutlich zu machen, bemüht sich vorliegender Band, der aus einem Forschungskolloquium der Studienstiftung des deutschen Volkes hervorgegangen ist, das im Februar 1994 in der deutsch-italieni-schen Begegnungsstätte Villa Vigoni (Loveno di Menaggio) stattfand.


