Vom 3. bis zum 10. Jahrhundert stellten christliche Autoren das Heidentum – hier verstanden als traditionelle religiöse Praktiken – als unorthodox und häretisch dar, um die christliche Identität und Autorität während ihres Aufstiegs zur hegemonialen Macht zu festigen. Diese Darstellungen diffamierten traditionelle Glaubensformen und rahmten sie als minderwertig und subversiv. Die Geschichtsschreibung hat das Heidentum häufig als rhetorisches Konstrukt betrachtet; neuere Ansätze jedoch, die materielle Kultur und postkoloniale Theorie einbeziehen, zeigen Formen von Koexistenz und Synkretismus, in denen sich christliche und traditionelle Praktiken vermischten. Das Kolloquium fragt: Wie konstruierten christliche Autoren das Heidentum, um ihre Ziele zu verfolgen, und was verraten diese Darstellungen über die tatsächlichen religiösen Praktiken?
Im Rahmen der deutsch-italienischen Zusammenarbeit (Deutsche Forschungsgemeinschaft – Villa Vigoni)
Koordination
Prof. Francesco Borri, Università Ca’ Foscari Venezia; Prof. Dr. Stefan Esders, Freie Universität Berlin

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